Jetzt klingt sie wieder - Orgelrenovierung abgeschlossen

Nach gut 10 wöchiger Renovierungszeit ist  die Orgel der Kreuzkirche in Kahl nun fertig und  kann wieder benutzt werden. Zur Orgelabnahme waren neben dem Orgelbauer Herr Töpfer auch  einige Gemeindemitglieder dabei und der Orgelsachverständige Herr Eppelein erklärte anschaulich welche Sanierungsarbeiten vorgenommen wurden.

Kaum zu glauben,  ausgerechnet die Orgel in der Kreuzkirche hat eine besondere historische Bedeutung.:

Da ist zunächst ihr Alter, die Orgel ist älter als die Kreuzkirche selbst, nämlich rund 120 Jahre alt. Sie stand zuerst in Augsburg in einem Frauenkloster, kam dann in die Christuskirche nach Aschaffenburg und 1960 nach Kahl. Für ihr Alter sind viele Bauteile immer noch in einem bemerkenswert guten Zustand, was auf eine sehr gute Qualität beim Bau schließen lässt. So ist z.b. der gigantische Lederblasebalg noch Original aus dem 19. Jahrhundert. Auch die Holzfpfeifen im oberen Manual sind noch aus der Erbauungszeit.

Noch bedeutender ist die pneumatische Steuerung der Orgel – also mit Luftdruck, anstelle einer mechanischen Steuerung, wo mit einer Vielzahl von Stäbchen, Leisten und Umlenkrollen die Ventile von der Taste aus gesteuert werden. Im 19. Jahrhundert verlangte die Musik nach immer leichtgängigeren Orgeln,  die z.B. schnelle Registerwechsel möglich machten. Das konnte mit der damaligen Mechanik nicht ohne weiteres umgesetzt werden und die Pneumatik eröffnete völlig neue Möglichkeiten der Klangvariationen.

Die Ventilsteuerung in einer pneumatischen Orgel  erfolgt entweder  mittels  kleiner Kegel, die die Ventilöffnung verschließen oder mit Ledermembranen verschlossene Taschen. In unserer Orgel sind überwiegend die hochkomplexen Kegelladen verbaut, ein technisches Meisterwerk!  Diese wurden seinerzeit relativ schnell von den Taschenladen abgelöst, die durch ihre leichtere Bauart beim Orgelspiel schneller reagieren, allerdings einem höheren Verschleiß unterliegen.

Zuletzt wurde die Orgel neu intoniert, d.h. der Klang wurde verändert. Man hat sich hierbei am historischen Vorbild orientiert. Leider sind in jüngeren Jahren in einigen Registern sehr unpassende Metall-Pfeifen eingebaut worden, die auch viel zu laut waren für unsere  relativ kleine Kirche. Diese wurden angepasst, wobei man  bauartbedingt  an der Stelle Kompromisse machen musste.

Insgesamt ist das Klangbild jetzt weicher und harmonischer – aber auch leiser. Das wird aber dem ursprünglichen Original wohl ziemlich nahe kommen und passt auch besser zu den Orgelwerken der damaligen Zeit, für die die Orgel konzipiert wurde.

Dem Orgelsachverständigen Herrn Eppelein hat die Arbeit an der Orgel selber große Freude bereitet, weil man es eben nicht so oft mit solchen besonderen Preziosen der Orgelbaugeschichte zu tun hat und eine solche Sanierung auch für den Fachmann eine Besonderheit darstellt.

Unser Dank gilt besonders auch an Herrn Töpfer, der  so manches weiteres graues Haar während der nicht ganz einfachen Sanierung bekommen hat und die Orgel dennoch rechtzeitig zu Weihnachten wieder zur Verfügung stellen konnte.

Gaby Maile